Welches Märchen passt für welches Alter?

Hier eine kleine Übersicht:

BIS 3 JAHRE
Lieder, Reime, besonders gerne im Zusammenhang mit Bewegung/Körpererfahrung, Phantasiegeschichten Selber ausdenken ist witzig: z. B. Was hat dieser Stein erlebt? Bekannte Beispiele: Zappelmänner…

Es gibt so viel Material im Internet und im Buchhandel, dass es richtig schwierig ist, sich zu entscheiden. Auf Kinderflohmärkten gibt es natürlich auch jede Menge zu ergattern.

Folgende Online-Beitrag und diese Bücher sind von meiner Familie getestet und geliebt:

http://www.familie.de/kind/fingerspiele-zappelmaenner-511402.html

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Ca 3 JAHRE
Ammenmärchen 

Erklär-mir-die-Welt-Märchen, Kettenmärchen, Reime 

Was soll denn das sein? Das sind doch Lügengeschichten, oder?

Stimmt, aber woher kommt der Begriff?

Mit Ammen meint man zwar meist die Milchammen früherer Zeiten. Oft waren mit dem Begriff aber auch einfach die Frauen gemeint, die neben ihrer Arbeit noch die Kinder hüten mussten. Man muss wohl einige Tricks auf Lager haben, um sinnvolle und schwere Arbeit und das Hüten von Kindern vereinbaren zu können – Hut ab!

Diese Frauen verfügten oft über einen funkelnden Schatz von kleinen Märchen als Antwort auf die ewigen „Warum-Fragen“ der Kleinen.

Die einfache Sprache, die Wiederholungen und Reime helfen dabei, einen Schatz aus Worten aufzubauen und Grammatik per Kinderspiel einzuüben.

Ganz wichtig:

 „Nochmal!“ hat seinen Sinn. Die Kinder müssen die Geschichten wirklich oft – sehr oft – hören. Die Kleinen sammeln Wörter und grammatische Strukturen!!

Beispiel gefällig?

 

Warum das Wildschwein immer den Wald umpflügt
Eines Tages buken drei alte Damen, die gemeinsam am Waldrand wohnten einen leckeren Pfannkuchen. Doch kurz bevor er ganz knusprig war, plums, hüpfte er aus der Pfanne. Er rollte schnell aus dem Haus und den Berg hinunter. Die Damen sahen ihm traurig hinterher – aber er war schon weit weg. Wie er so vor sich hin rollte traf er einen Hasen. Der Hase schnupperte begeistert und wollte schon reinbeißen, schwupps, da rollte er schnell weiter und sagte: „Ätsch, Häschen-Päschen!“ Er rollte weiter und weiter und traf ein scheues Reh. Das Reh nahm den wunderbaren Duft war und wollte auch schon reinbeißen – schwupps war der Pfannkuchen weitergerollert und rief: „Ätsch, Rehchen – Schneechen!“ Beim Weiterrollen traf er noch einen Fuchs, der das Maul schon weit aufriss – aber schwupps war der Pfannkuchen weitergerollt und rief: „Ätsch Füchschen – Büchschen!“ Doch beim schnellen davon Rollen war der Pfannkuchen etwas unvorsichtig und – schwupps, schon hatte ein Wildschwein einen großen Happs im Maul: Oh je, der Pfannkuchen eierte schnell weiter auf nimmer wiedersehen. Das Wildschwein war aber so begeistert von dem leckeren Pfannkuchen, dass es schnell alle seine Freunde herbeirief und ihnen von dem leckeren Pfannkuchen erzählte. Da das Wildschwein aber keine so guten Augen hatte, wusste es nicht, dass der Pfannkuchen weitergeeiert war und dachte, er wäre noch in der Nähe und hätte sich eingegraben! Deshalb rief es seinen Freunden zu: Sucht! Und seit dieser Zeit wühlen die Wildschweine den Boden um in der Hoffnung irgendwann doch noch den Rest von dem leckeren Pfannkuchen zu entdecken.

(Quelle: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/biologie/projekt/artenschutz/naturgeschichten.pdf)

Fazit:

So können die Kinder die Welt begreifen. „Aha, das Wildschwein findet Pfannkuchen so lecker wie ich.“ Später ergibt sich automatisch die Frage nach den Fakten. „Mama, was essen Wildschweine eigentlich in echt?“

Hauptziel: Freude an Sprache, der Inhalt ist eher zweitrangig.

Ammenmärchen zu finden ist sehr schwer. Probleme:

  1. Man weiß nicht genau, was man suchen soll. (Titel…)
  2. Es gibt keine Ammen mehr und auch die Großeltern mit entsprechendem Wissen sterben leider langsam aus.
  3. Der Buchmarkt konzentriert sich extrem auf die Gebrüder Grimm.

Meine Liebe gilt folgenden Büchern, weil sie uns schon so viel Freude beschert haben:

Hier ein liebevolles Buch. Die Geschichten erscheinen Erwachsenen oft unsinnig, aber Kinder lieben sie. Die Bilder sind gezeichnet und man kann sie selber anmalen!

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Eine wunderbare Autorin… Die Geschichten sind mit Erfahrung, Verstand und Herz ausgewählt. Jedes Märchen ist mit hilfreichen Tipps versehen.

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AB 4 JAHRE

1. Einsträngige Märchen (= nur ein Handlungsstrang):

Tiermärchen, der Kleine-hilft-dem-Großen-Geschichten         

      Beispiele: Bremer Stadtmusikanten, Der Wolf und die sieben Geißlein…

Jetzt kommt die Phase „Versuch und Irrtum“. Einfach mal ein Zaubermärchen testen und sehen, ob es gefällt. Bei begeisterten „Nochmal!“-Rufen liegst du richtig. Sonst einfach noch warten.

2. Entwicklungsmärchen (vom Aschenputtel zur Prinzessin)

     Zaubermärchen (Feen, Riesen, Zauberdinge, …)   

Das Angebot im Buchhandel ist riesig. Hier gilt: Augen auf beim Märchen kauf!

Es ist richtig schwer ein Märchenbuch zu finden, das nur wenige Bilder hat. Scheinbar trauen uns die Verlage nicht mehr zu, dass wir uns selbst einen Zwerg oder eine Prinzessin vorstellen könnten…

Anregung: Man kann sich natürlich gezielt Märchen ausdrucken und eine eigenes Märchenbuch anlegen. Mit selbstgemalten Bildern. 

Wenn es aber doch ein Buch sein soll:

Man glaubt es kaum, es gibt noch andere Märchen als nur die Grimmschen. Eine außergewöhnliche Sammlung:

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Wenn es nur Grimm sein soll: eine vollständige Sammlung in der unvergleichlichen Grimm Märchensprache. Es wurde darauf geachtet, die Bilder so zu wählen, dass auch die eigene Phantasie noch zum Zug kommt.

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Kunstmärchen

Das sind Märchen, die einen Autor haben. Hans Christian Andersen ist ein bekanntes Beispiel. Diesen Märchen sind nicht über hunderte Jahre „gefiltert“ worden.

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ möchte ich keinem keinen Kind zumuten.

Hier gilt es, besonders feinfühlig auszuwählen.

Viele dieser Märchen sind erst ab 10 Jahren geeignet. Eine besondere Aufarbeitung der zeitgeschichtlichen Hintergründe oder der Person des Autors ist oft sinnvoll.

Die meisten dieser Märchen möchte ich lieber Erwachsenen empfehlen.